Volksdroge Zucker: Wie wird man Zucker süchtig und was kann man dagegen tun?

Wie kann Zucker eine Droge sein wenn es jeder von uns konsumiert? Ganz einfach: es wirkt im Grunde wie jede andere Droge auch und wer sich nach einem westlichen Standard ernährt wie fast jeder in Deutschland wird auch abhängig sein. Das erfährt man aber meistens erst wenn man tatsächlich einmal versucht ohne Zucker auszukommen. Und das länger als ein paar Stunden. Die Entzugserscheinungen sind wie bei jeder anderen Abhängigkeit auch. Vor allem fühlt man sich schlapp, lustlos und denkt die ganze Zeit nur ans Essen.

Aber wie kann es sein dass sogar von einer Volksdroge gesprochen wird? Weil Zucker in praktisch jedes Lebensmittel gemischt wird das wir heute kaufen können. Teilweise ohne dass wir es wissen oder wollen. Einiges würde auch ohne Zuckerzusatz gut schmecken. Aber trotzdem mischen Discounter Zucker sogar in Brot um es haltbarer zu machen. Oder in fast alle Getränke, selbst welche die einen gesunden Eindruck erwecken und als Wasser mit Geschmack verkauft werden.

Wenn man nicht gerade einen großen Aufwand betreibt um auf seine Ernährung zu achten ist es fast unmöglich Zucker zu umgehen. Es fängt in der Früh mit Nutella, Marmelade, Cornflakes oder einem Starbucks Kaffee an und hört bei der Tafel Schokolade oder einem anderen Snack abends vorm Fernseher auf.

Für uns ist das langfristig schädlich und endet in den meisten Fällen mit einer Stoffwechselerkrankung die zu Diabetes, Fettleibigkeit, einer fetten Leber, Krebs und anderen Krankenheiten führen kann. Und das lässt sich auch sehr gut belegen. Gerade in den USA sieht man die Auswirkungen deutlich. Aber nicht nur dort, in der ganzen Welt ist es zu beobachten. Der Anteil fettleibiger Menschen hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt. Wie kann es sein, dass in Entwicklungsländern, also in ärmeren Ländern wie in Südamerika, Afrika, Südostasien, usw. der größte Kostenfaktor im Gesundheitswesen mittlerweile Fettleibigkeit bzw. damit verbundene Krankenheit ist? Das muss man sich einmal vorstellen. Das sind Länder die teilweise noch viele Probleme haben wie Armut, Kriminalität, politische Instabilitäten, usw. Aber die Menschen erkranken an Übergewicht!

Woran liegt das alles?

Die Ursache dafür ist, dass wir durch technologischen Fortschritt in der Lage sind unser eigenes Gehirn zu „hacken“. Unser Gehirn ist so programmiert dass Hormone ausgeschüttet werden um unser Verhalten zu steuern. Hormone sagen uns wann wir Essen sollen, dass wir auf unser eigenes Kind aufpassen müssen und dass wir in Gefahr sind und flüchten sollten. Hormone können uns auch belohnen und ein Hormon das hier eine wesentliche Rolle spielt ist Dopamin. Wenn es ausgeschüttet wird empfinden wir so etwas wie Vergnügen aber auch Lust. Dopamin hat uns früher daran erinnert dass wir gegenüber einen Sexualpartner sitzen haben und uns fortpflanzen können. Wenn das passiert wird Dopamin in großen Mengen ausgeschüttet. Wir können es also selbst produzieren und ausschütten – ganz ohne irgendwelche Substanzen. Aber es geht eben auch mit Substanzen wie Kokain, Koffein, Nikotin oder Zucker.

Wenn diese in kleinen Mengen konsumiert werden stellen sie noch keine Gefahr da – zumindest nicht im Sinne einer Abhängigkeit. Das Problem ist jedoch dass zumindest von Zucker keine kleinen Mengen mehr konsumiert werden. Und nicht nur das, wir konsumieren meistens Zucker in Kombination mit Koffein, Nikotin und stärken eine Dopamin-Ausschüttung noch durch unser Verhalten, etwa durch Social Media und Internetpornographie.

Das Ergebnis ist eine ganze Menge Dopamin über den Tag verteilt. Wir wachen morgens auf und checken zuerst unser Smartphone nach Neuigkeiten -> Dopamin. Wir gönnen uns einen Starbucks Kaffee auf dem Weg zur Arbeit mit einer Menge Koffein und Zucker -> Doppeltes Dopamin. Wir Tindern in der Mittagspause -> Dopamin. Wir genehmigen uns ab und zu einen Kaffee oder eine Zigarette -> Dopamin. Wir essen abends Fast Food oder Fertigware weil gerade nichts anderes verfügbar ist -> Dopamin. Bevor wir ins Bett gehen stöbern wir noch in sozialen Netzwerken herum oder besuchen die ein oder andere nicht Jugend freie Webseite. Bei Bedarf auch beides -> Dopamin.

Unterm Strich eine ganze Menge Dopamin was dazu führt dass unsere Rezeptoren nachlassen. Je weniger Rezeptoren, desto mehr Dopamin brauchst du für den gleichen Effekt. Wenn dir heute noch eine Tasse Kaffee ausreicht sind es irgendwann zwei. Wenn dir ein Sexualpartner nicht reicht brauchst du irgendwann einen neuen oder mehr davon. Wenn du im mit einer Schachtel Zigaretten pro Woche anfängst, brauchst du irgendwann eine am Tag. Wenn du heute genug Glücksgefühle durch ein kleines Stück Schokolade hast muss es bald eine ganze Tafel sein. Und so weiter.

Es ist ein Teufelskreis. Und was viele nicht verstehen: alles hängt zusammen. Wenn du etwa viel Dopamin durch Zigaretten ausschüttest schadest du deinen Rezeptoren genauso als wenn du viel Zucker konsumierst. Es spielt also keine Rolle wie du dein Dopamin ausschüttest, am Ende zählt nur dass du es zu viel ausschüttest und damit deine Rezeptoren ruinierst. Jetzt füge einmal alles zusammen was du tust um Dopamin auszuschütten und du hast den idealen Cocktail für Abhängigkeit.

Zurück zum Zucker

Eigentlich waren wir nur beim Thema Zucker und sind trotzdem bei Social Media, Tinder, Pornos und Kaffee gelandet. Du verstehst jetzt hoffentlich die gefährlichen Zusammenhänge. Falls nicht kannst du nochmal auf unsere Hauptseite Süchtig.net schauen um mehr zu erfahren.

Was Zucker selbst betrifft ist es sicherlich eine verhältnismäßig harmlose Sucht. Du wirst dadurch nicht pleite gehen weil du dein ganzes Geld für Goldbären ausgibst, du wirst keinem anderen Schaden zufügen  oder aggressiv, du wirst nicht plötzlich arbeitsunfähig und du wirst auch keine Entzugserscheinungen bekommen weil Zucker praktisch überall auf dich wartet und du nur zugreifen musst. Aber das macht ihn wiederum so gefährlich.

Dennoch ist mit einer Zuckersucht nicht zu spaßen und die Konsequenzen von Jahre langem Zuckerkonsum können fatal sein. Forschungen in diesem Bereich sind nicht einfach wie du dir vorstellen kannst weil es natürlich keine Kontrollgruppe gibt. Du kannst nicht einfach 100 Leute ihr Leben lang mit Zucker füttern und 100 Leute nicht und alle anderen Variablen kontrollieren um am Ende sagen zu können: Krebs kommt häufiger vor. Darauf beruft sich auch die Lebensmittelindustrie und sagt dass man die negativen Folgen nicht eindeutig nur auf Zucker zurückführen kann. Aber das Gleiche war bei der Tabakindustrie der Fall als man noch keine eindeutigen Zusammenhänge zu Krebs herstellen konnte und sie erst einmal so weitermachen durften. Früher war es noch Gang und Gebe dass man im Flugzeug Probe Zigaretten bekommen hat und Werbung dafür im Fernsehen lief. Heute bekommt man keine Schachtel mehr ohne Gruselfotos. Man kann darüber streiten ob das abschreckend wirkt oder nicht aber es zeigt zumindest dass ein Wandel eingesetzt hat. Ähnliches ist auch bei Zucker denkbar.

Warum du Zuckersucht vermeiden musst

Jetzt mal abgesehen von den bereits angesprochenen gesundheitlichen Folgen: Typ 2 Diabetes, Fettleibigkeit, fette Leber, Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Karies, usw. gibt es einen ganz wichtigen Grund: Du darfst dein Dopamin nicht überstrapazieren!

Dopamin ist als Belohnung gedacht. Was passiert wohl wenn du praktisch rund um die Uhr für nichts belohnt wirst? Du stehst in der Früh auf und hast noch keine 20 Schritte gemacht. Schon gibt es ein dickes Nutellabrot. Belohnung für nichts. Du sitzt den halben Tag im Büro und gönnst dir Mittags den Schokoladenkuchen. Wieder Belohnung für nichts. Nachdem du Nachmittags genauso im Büro gesessen bist und es dir auf der Couch bequem machst gibt es Chips. Noch einmal Belohnung für nichts.

Unser Gehirn ist nicht blöd und lässt sich nur kurzfristig austricksen. Es wird sich irgendwann an diese Belohnungen gewöhnen und sie verlieren ihren Effekt. Das liegt wie bereits angesprochen daran dass deine Dopamin Rezeptoren weniger werden. Für den gleichen Effekt musst du immer mehr ausschütten. Das gelingt dir zum Beispiel indem du irgendwann zwei Schokokuchen mit Sahne brauchst.

Du zerstörst deine Dopaminrezeptoren also ohne wirklichen Grund und ohne einen Nutzen zu haben. Du bringst deinem Gehirn sozusagen bei dich in Zukunft nicht mehr dafür zu belohnen. Es wird Normalität und Standard.

Mittlerweile kennst du die anderen Dopaminausschütter:

  • Kaffee
  • Tabak
  • Sex/Pornokonsum
  • Glücksspiel/Gaming
  • Social Media
  • Alkohol und andere Drogen

Was passiert wenn du noch weiteren Aktivitäten nachgehst oder Dinge konsumierst die ebenfalls deine Dopaminrezeptoren angreifen? Wir sind alle keine Heiligen. Ich bin mir sicher dass du noch ein paar Dinge auf der Liste machst. Insofern bist du auf alle Fälle betroffen. Wenn du also mehrere Dinge von der Liste abhaken kannst weil du ihnen regelmäßig nachgehst und außerdem deinen Zuckerkonsum nicht eingeschränkt hast wirst du ein erhöhtes Risiko haben in anderen Bereichen eine Sucht zu entwickeln. Zuckersüchtig bist du schon, spürst aber die Konsequenzen nicht. Du bist dann anfälliger für Zigaretten, brauchst öfter als einmal täglich Kaffee oder kommst ohne gar nicht mehr aus dem Haus, gönnst dir regelmäßig gewisse online Videos, spielst in einem online Casino oder andere Spiele, hängst gerne auf Twitter herum und greifst hin und wieder zur Flasche. Wie du siehst, die Verlockungen sind groß.

Wenn du aus diesem Teufelskreis ausbrechen willst wäre ein erster Schritt die Zuckersucht zu bekämpfen. Vorausgesetzt du bist (noch) nicht für eine andere Sucht empfänglich die dringlicher zu behandeln wäre. Wie gesagt, Zucker ist noch relativ harmlos zumindest im Vergleich zu Tabak, Glücksspiel oder Alkohol.

Jetzt aber die große Frage: wie verliere ich meine Abhängigkeit nach Zucker? Das werden wir uns hier im Detail ansehen.